home / projekte / trio / pressestimmen
Ferenc Snétberger Trio: Presse
Aktuelle Termine

NOMAD on IRLAND tour:

Ferenc Snétberger - acoustic guitar
Arild Andersen - double bass, electronics
Paolo Vinaccia - drums, percussion, electronics
[mehr Termine]

 
Aktuelle DVD

SNÉTBERGER live

solo, trio Nomad, duo w. Bobby McFerrin
[mehr ]

 
Aktuelle CD

Snétberger /Stockhausen - "Streams"

(Enja enj9511) [mehr]

 
Kontakt/Booking

info@snetberger.de

Management/Booking:
A-S-Promotion
booking@snetberger.de

>> Booking Deutschland
>> Management Ungarn
>> Booking Italien
>> Booking Japan

 

Ferenc Snétberger Trio (21.01.2005)
Reinhard Köchl, "Donaukurier"

Sanft, fast berührungslos streicht Arild Andersen über die Saiten, und es hat den Anschein, als erklänge am anderen Ende der Schlucht eine traurige Fanfare. Hall, Nebel, Nässe, Einsamkeit - ein eindringlicher, ein gespenstischer Sound. Dann klappert Paolo Vinaccia, dieser wunderbar normale, funktionale Schlagwerker, mit seinem roten Besen: Eine Schar finsterer Reiter auf ihrem Weg ins Niemandsland. Und schließlich Ferenc Snétberger, der allerorten hymnisch gepriesene Wundergitarrist: Er koloriert den Tanz der Luftgeister mit kleinen, flirrenden akustischen Blitzen. Eine Traumwelt abseits aller Realität, die der Norweger, der Italiener und der Ungar da im Neuburger "Birdland"-Jazzclub betreten. Und der Beweis, dass sich jeder selbst begrenzt, der noch in Stilgrenzen verharrt.

In den üblichen Schemata würde das grandiose Euro-Trio möglicherweise unter "nordisch" abgelegt. Aber was bedeutet das schon? Eine moderne Adaption norwegischer Volkslieder? Edvard Grieg goes Swing? Oder Jan Garbarek für Fortgeschrittene? Die Wahrheit liegt in der gebündelten Weisheit der Musiker, ihrer stilistischen Unabhängigkeit, die sich als Treppe zu einem anderen Bewusstseinslevel erweist. Dieser eine, runde 20 Minuten dauernde Ritt durch die Extreme kurz nach der Pause hat alles, was der Konzeptmusik des 21. Jahrhunderts normalerweise fehlt: spontane Reaktionen, überraschende Wendungen, rasante dramaturgische Verschiebungen. Er reicht von ruhigen, fast meditativen Passagen, einem Blick in eine längst vergangene Zeit, bis zu dem, was man früher einmal Freejazz nannte; einer fast apokalyptischen Zukunftsvision.

Doch es geht auch anders, nächstes Stück, andere Sequenz: Ein Spaziergang am Meer, glutrote Abendsonne, mildes Klima, keine Störungen. Snétbergers Gitarre rieselt wie feiner Sand, Vinaccia lässt seine Perkussionbatterie gleichmäßig ticken und Andersens Bass singt leise Melodien. Ein Gleichklang der Gefühle, keine Höhe- und auch keine Tiefpunkte. Die Stunden verrinnen, bis die Uhr schließlich stehen bleibt und alles in einem Vakuum aus Raum und Zeit zu schweben beginnt. Es folgt gesampeltes Beckenkratzen und gläserne Läufe, die einen guten Soundtrack für eine Geisterdschunke geben würden, wenn sie durchs bewegungslose Wasser gleitet.

Die drei suchen den Weg über die Sinne, berühren die Emotionen und lassen Musik auf diese Weise für jeden greifbar werden. Der gesamte Abend ist sowohl für Snétberger, Andersen und Vinaccia wie das Publikum ein Abenteuer in mehreren Facetten. Und sie geben sich Raum, achten und jagen einander. Keiner kennt die Richtung, jeder aber das Ziel. Exemplarisch dafür steht die zweite, heftigst geforderte Zugabe, ein wehrloses Opfer des Augenblicks.

Eine Ansammlung von scheinbar achtlos hingeworfenen Rock-Riffs, die der Norweger wie Felsbrocken auftürmt, der Ungar mit luftigen Bluesgriffen verstärkt, bis sie der Italiener mit fröhlichen Handklatschen, -reiben und -pusten in so etwas ähnliches wie Bebop auflöst. Oder war es vielleicht doch eine Polka? An einem Abend mit so viel gerade erst neu entdeckter, offener Musik muss dies nun wirklich niemand mehr so genau wissen.

Reinhard Köchl

Ferenc Snétberger Trio (21.01.2005)
Dr. Tobias Böcker, "NR"

Reichlich laut und temperamentvoll nahm ein Abend einen Anfang, der im weiteren Verlauf jede Menge überraschende Wendungen kredenzte und von meditativer Ruhe bis zu brodelnden Energieschüben ein weites Spektrum an Stimmungen in sich barg. Mit dem Ferenc Snétberger Trio war eine so exquisite wie ungewöhnliche Formation zu Gast im Birdland Jazzclub.

Akustik-Gitarre, Bass und Percussion, eine eher seltene Kombination, die gleichwohl eine derart homogene Wärme des Klangs beinhaltet, dass man sich wundert, warum sie sich nicht öfter zusammenfindet. Entscheidend allerdings ist allemal, wer spielt. Und da befinden sich mit Ferenc Snétberger, Arild Andersen und Paolo Vinaccia drei Musiker auf der Bühne, die jeder für sich ein wahres Aushängeschild des europäischen Jazz darstellen, gemeinsam dem Erbe der Alten Welt einen improvisatorischen Reichtum von immenser Fülle entlocken. Ungarn, Norwegen und Italien bilden eine Triangel paneuropäischer Inspiration, in der Mystik und Lebenslust, Traumpfade und helles Lachen, Trance und Tanz sich amalgamieren zu schierer Essenz und atmosphärischer Dichte. Wie ein Flug über unberührte Landschaften mutet das an, in weiten Bögen und auf breiten Schwingen, Sturz- und Steilflug inklusive, wenn irgend etwas der genaueren Betrachtung bedarf oder schroffe Felsgrade zu jäher Richtungsänderung bewegen. Snétbergers Gitarre findet in sinnlicher Rasanz ein ums andere Mal zu frappant anderen Linien, erschließt ein ums andere Mal unvorgedachte Alternativen jenseits aller gitarristischen Vorhersehbarkeit. Arild Andersens Bass gibt die ideale Balance aus melodiös singendem Groove, Volumen und solistischer Klasse, Paolo Vinaccias Schlagwerk tickt in so vielschichtig abwechslungsreichen Rhythmen wie das Leben selbst. Ein Konzert, so erquickend wie ein Tautropfen in der Morgensonne: funkelnd vor lauter Schönheit und unvergesslich in seiner leuchtenden Farbenpracht.

Dr. Tobias Böcker

Ein sehr schönes Zusammenspiel (21.11.2004, 19:07)

Das Ferenc-Snétberger-Trio
bei den Grenzüberschreitungen BAYREUTH

Von Frank Piontek

"Wenn ich wieder geboren werde, würde ich's wieder tun", steht auf dem T-Shirt des Schlagzeugers. "Totgeglaubte leben länger", sagt Christian Römer, Geschäftsführer des Festivals Grenzüberschreitungen, das kurz vorm Totensonntag eine fröhliche Wiederauferstehung erlebt: auch dank des phänomenalen, beglückenden, wunderbaren Ferenc-Snétberger-Trios, das in den Europasaal des Zentrums eine fantastische Atmosphäre zaubert.

Es ist pure Magie, wenn die drei Musiker ein Stück beginnen, als stimmten sie gerade ihre Instrumente. Der Bassist Arild Anderson, zu Recht gerühmt als einer der Großen seines Fachs, schwingt sich ein, Rückkoppelungen und Nachhall sorgen für eine schwebende Stimmung, es klingt ein bisschen wie im Dschungel, Indianerflöten tönen in der Ferne, aber es ist der Bogenstrich, hart am Steg, der für die zauberhaftesten Effekte sorgt. Dann legt Anderson den Bogen in die Seitentasche seines Instruments zurück, man denkt an einen Pfeil im Köcher, der Schlagzeuger Paolo Vinaccia gibt, fast wie zufällig, ein paar trockene Schläge dazu, der Gitarrist Ferenc Snétberger fängt an zu spielen: und man ist mitten im Rhythmus, in der Melodie, die irgendwo zwischen den regelmäßigen Sequenzen des Barock und den Tanzschritten heißerer Regionen vermittelt.

Liegt eine der Quellen des Jazz nicht in der kreolischen Volks-Musik? Und überschreitet das Trio mit seinem Mix aus Samba, Flamenco und Klassik nicht die Grenzen zwischen den Kulturen, zwischen den musikalischen Stilen, um zu einem ganz eigenen Stil zu gelangen? Keine Zeit, drüber nachzudenken, wenn Snétberger und Anderson in einem schönen Duett sich anlächeln und Vinaccia, scheinbar selbstvergessen, seinen dezenten und doch deutlichen Rhythmus dazu gibt. Der Meister an den Drums braucht nicht viele Requisiten für eine ungeahnte Farbpalette. Ihm genügen zwischendurch die bloßen Hände als Beitrag zum Fest.

Man kann an diesem Abend nur staunen: wenn Anderson mit rasender Geschwindigkeit die Saiten zupft, wenn Vinaccia mit Sinn für Humor ein Stück hauchzart verfliegen lässt, indem er seinen Besen ausschüttelt, wenn Snétberger einen Flamenco spielt, der mehr ist als Flamenco und zugleich seine Essenz. Zwischendurch schaut der Schlagzeuger auf seinen halb zerfetzten Programmzettel, bevor man, heftig bewegt oder "ruhig, aber schön", wie Snétberger über "Empathy" sagt, weitermacht. Mag man auch drei verschiedene Linien spielend verfolgen: man kommt immer wieder auf den Punkt.

Die Perfektion wird zum Zeichen der Schönheit, und das Zusammenspiel ist ein wahres Zusammen-Spiel. Eine tolle Grenzüberschreitung - der Geschäftsführer hatte Recht, als er eine "außergewöhnliche Erfahrung" ankündigte.

Eine tolle musikalische Grenzüberschreitung brachte das Snétberger-Trio beim Festival Grenzüberschreitungen auf die Bühne des Zentrums.

Frank Piontek

>>> Projektinfo Trio

>>> Pressefotos Trio

 

       
 

home | projekte | diskographie | konzerte | photos

 

made by jazzdimensions.de